Im Rahmen unserer Jahresausstellung
"Kirchliche Feste im Jahres- und Lebenszyklus"
widmet sich das Schwälmer Dorfmuseum Holzburg ab Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 dem kirchlichen Fest Pfingsten und seinem Brauchtum.
Die Ausstellung ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
An Pfingsten feiert das Christentum die Erleuchtung der Apostel durch den Heiligen Geist. Damit wird die bleibende Gegenwart der Kirche symbolisiert, die eine gemeinsame Sprache spricht. In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel herabkam, als sie sich zum jüdischen Fest Schawout (Pilgerfest) in Jerusalem versammelt hatten. Die Jünger wurden mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt und konnten plötzlich alle Sprachen sprechen. Pfingsten leitet sich von griechisch „pentecoste hemera“ ab. Das bedeutet „der 50. Tag“ (nach Ostern).
Symbole für Pfingsten sind die Taube, das Feuer und die Farbe rot, die das Wirken des Heiligen Geistes symbolisiert.
Foto: Heinz Metz, Pfarrer aus Holzburg, 1940er Jahre
Das Pfingstbügeltragen in der Schwalm: In der Schwalm hat sich an Pfingsten ein besonderer Brauch herausgebildet, der mit dem christlichen Fest Pfingsten wenig zu tun hat: Das Pfingstbügeltragen. Das Pfingstbügeltragen ist ein sog. Heischebrauch (von etwas Erheischen) sowie ein Fruchtbarkeitsritual im Frühling. Er wurde – wie viele andere Bräuche - ins christliche Brauchtum übernommen. Es war die Aufgabe der Dorfkinder den Brauch auszurichten. Er wurde am 1. und 2. Pfingsttag gefeiert.
Zentrale Figur war das „Pfingstmännchen“. Dafür wurde ein auserwählter Knabe vollständig in frisches Buchenlaub gehüllt. Er musste von zwei weiteren Knaben geführt werden, weil er nichts sehen konnte. Es war eine große Ehre zum Pfingstmännchen gewählt zu werden. Ein Mädchen mit dem „Pfingstbügel“ führte den Zug der Kinder an, die singend von Haus zu Haus zogen und Gaben erbaten (erheischten). Der Pfingstbügel war mit kostbaren Seidenbändern geschmückt. Nach dem Pfingstmännchen folgten die Schwälmer Mädchen mit ihren Körben, in denen die Gaben (Eier, Speck und Geld) gesammelt wurden. Daraus wurden Eierkuchen mit Speck zubereitet und getrennt nach Geschlechtern verzehrt. Von dem Geld wurden Getränke gekauft.
In Schrecksbach variiert der „Pfingstmännchen-Brauch“. Die Konfirmanden-Jungen gingen in den Wald und wickelten sich bis zur Gürtelline in frisches Buchenlaub, Arme und Beine blieben frei. In jeder Hand hatten sie einen Stock, um die jüngeren Dorfkinder zu verhauen. Die standen schon am Dorfrand und warteten, bis die Pfingstmännchen aus dem Wald kamen. Die Kinder neckten sie mit dem Kampfschrei: „August mit deinen langen Haaren“.
Vor einigen Jahren hat die Kindergitarrengruppe Obergrenzebach unter der Leitung von Sabine Becker den Brauch des Pfingstmännchentragens wieder aufleben lassen.
Beide Bräuche sind auch für anderen Regionen belegt.